Meditation in der Business-Welt

Jun 29, 2020 | Mindful Business

Klingt verlockend? Das fanden wir auch. Deshalb trafen wir Michael, den Gründer von SoulMastery online im „Homeoffice“ zu einem Interview, denn neue Situationen (Kontaktverbot in Zeiten der Corona-Pandemie) verlangen flexibles Handeln.

 Kathi von Con-Agency: Erzähl am besten erstmal ein bisschen was über euer Unternehmen. Wer seid ihr? Was macht ihr?

Michael von SoulMastery: „Soulmastery“ ist unser Name. Dahinter verbergen sich zwei Personen – Julia und ich. Auf unserer Website www.Soulmastery.de kann man bei Interesse unter dem Reiter „Wir“ mehr über uns und unsere Story erfahren.

Im Prinzip war das so, dass wir beide, Julia und ich, in der Wirtschaft tätig waren. Ich habe in der Unternehmensberatung gearbeitet, BWL/VWL studiert, war dann bei einer Investment-Bank in einer leitenden Funktion und hatte ein eigenes Unternehmen gegründet, wo ich Saucen und Gewürze hergestellt habe, also ein Start-Up sozusagen. Julia hat parallel dazu ebenfalls in der Bank gearbeitet und irgendwann als unsere „Karrieren“ in voller Fahrt waren, es gerade alles aufwärts ging und wir irre viel Geld verdient haben, ist Julia krank geworden. Sie hatte schwere Depressionen und wir bzw. auch speziell ich, wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Wir haben angefangen, nach Wegen zu suchen, wie wir aus der ganzen Geschichte rauskommen können.

Julia hat eine Yoga-Lehrer-Ausbildung absolviert, Yoga praktiziert, dann hat Julia nochmal studiert – Philosophie mit Nebenfach Religion und Kulturen – und durch Zufall kamen wir in Berührung mit der Meditation. Ich habe noch immer meine Firma gehabt und in der Investment-Bank gearbeitet, als Julia zu mir sagte, dass sie die Meditation für sich ausprobieren möchte. Sie hat ein buddhistisches Zentrum hier in München gefunden, ist dort hingegangen und fand es ziemlich beeindruckend. Innerhalb weniger Wochen habe ich gesehen, wie sie sich angefangen hat zu verändern. Zuvor war sie bei verschiedenen Ärzten und dort habe ich ehrlich gesagt nicht gemerkt, dass sich da was tut.

Da ich durch die Mediation gesehen habe, dass die positive Veränderung anhält, habe ich angefangen mir die Frage zu stellen: „Wenn die Meditation mit einem „kranken“ Menschen – was auch immer wir als „krank“ definieren – etwas macht, was macht es dann mit mir, als einen „gesunden“ Menschen – wie auch immer wir gesund definieren?

Ich bin daraufhin auch ins buddhistische Zentrum gegangen, habe dort allerdings nicht so richtig meine Freude gefunden. Ich bin nicht wirklich religionsaffin aufgestellt und habe im buddhistischen Zentrum festgestellt, dass auch der Buddhismus ein Religionskonstrukt ist.  

Ich war dennoch sehr beeindruckt von der Meditations-Technik und somit haben wir beide das weiter fortgeführt. Wir haben die Wirkung gespürt und wollten uns somit mehr mit dem Thema befassen. Wir haben uns ziemlich viel in die Literatur gestürzt, viel gelesen und Julia hat durch ihr Studium noch zusätzliches Feuer reingebracht. Dann irgendwann haben wir ganz viele verschiedene Techniken ausprobiert. Wirklich alles Mögliche. Ich bin da sehr neugierig und habe die verschiedensten Meditation-Techniken gegoogelt, „geyoutubet“ und gelesen. Vieles habe ich vor allem aus antiken Büchern erfahren. Damals gab‘s nicht so viele YouTube-Channel zu diesen Themen. Dann ist Julia irgendwann nach Indien gefahren. Sie sagte, dass sie das irgendwie ruft und sie da jetzt hin muss. Sie ist in ein Meditations-Resort gefahren und war da eine ganze Weile. Von dort aus hat sie dann alles gekündigt – ihren Job und alles Weitere. Nach ein paar Monaten kam sie zurück und hat gesagt, dass es ihr jetzt dort reiche und sie wieder in die reale Welt zurück möchte.

Als sie zurück war, hat sie mir von ihren intensiven Erfahrungen berichtet und ich habe mich nach einiger Zeit dadurch inspirieren lassen auch nach Indien zu fahren. Ich war ebenfalls für einen Monat in dem Resort und habe mich ausbilden lassen, so wie Julia es auch schon gemacht hatte. In das Resort, wo wir hingefahren sind, gibt’s ganz verschiedene Techniken zu erfahren und auch zu erlernen. Dort wurden wir dann auch trainiert und haben irre viel an uns gearbeitet, also selber meditative Therapien gemacht, Workshops, Sitzungen und Einzelcoachings. Es war wirklich z.T. sehr abgefahren und auch nicht einfach. Da reicht wahrscheinlich ein Buch nicht aus, um allein die 30 Tage zu beschreiben, die ich persönlich erlebt habe. Als wir dann beide wieder zurück waren sagte Julia irgendwann zu mir: „Weißt du was? Alles was wir machen, ist eigentlich Quatsch. Auf der einen Seite versuchen wir achtsam zu werden, meditativ zu sein und auf der anderen Seite, rennen wir/du ins Büro?“ Ich habe daraufhin einen Cut gemacht. Wir haben uns entschieden, dass wir gerne das machen würden, was wir über die Jahre (der o.g. Prozess fand über mehrere Jahre statt) gelernt haben und haben radikal alles verändert.

Kathi von Con-Agency: Wie ging es dann weiter?

Michael von SoulMastery: „Wir müssen das teilen, was wir bisher gelernt und erlebt“ dachten wir. Wir sind also los: ohne Konzept, ohne Namen, ohne Website ohne gar nichts. Wir haben Meet-Ups ausgeschrieben, auf Facebook haben wir eine Gruppe gegründet und wir haben versucht mit Privatpersonen nachmittags oder abends Gruppen-Treffen zu veranstalten. Fazit: Wir sind furchtbar gescheitert! Wir haben viel daraus gelernt. Insbesondere, dass das, was wenig kostet, viele Menschen auch als wertlos empfinden – leider.

So kann man nicht leben, so kann man in einer Stadt wie München natürlich auch keine Miete zahlen.

Wir haben angefangen einen anderen Ansatz zu wählen: Anstatt an der breiten Masse herumzudoktern, wollten wir die Menschen aufsuchen, aus dessen Reihen wir selber auch kommen. Für die gestressten Manager, CEOs oder sonstige Talents wären die Tools ja goldrichtig. Wir haben es schließlich ja selber an uns bzw. ich an mir erfahren und ich war selber in diesen Positionen. So entstand SoulMastery – als Brand, als Firmenname. Wir haben eine Website aufgebaut und haben angefangen unsere Netzwerke zu bemühen.

Kathi von Con-Agency: Mit wem habt ihr hier gesprochen?

Michael von SoulMastery: Ich hatte durch meine Gründung und durch meine jahrelange Investment-Banker-Tätigkeit auch international sehr viele Kontakte und habe angefangen die alle abzuklopfen. Kein einziger hat mir geholfen. Alle haben sich abgewandt.

Für die meisten Leute war das ein nicht nachvollziehbarer Sprung. Die meisten kannten mich noch in einem ganz anderen Style, in einer ganz anderen Funktion und unser neues Konzept, SoulMastery, haben sie nicht damit in Verbindung bringen können. Ich hatte mich auch einfach zu stark verändert in einer – für die Menschen gefühlt – zu kurzen Zeit.  

Kathi von Con-Agency: Wie ging es dann weiter?

Michael von SoulMastery: Wir standen bei Null. Wir haben angefangen Kalt-Akquise zu machen, um uns selber fort zu bewegen. Wir haben unter anderem Social Media benutzt, was für uns sehr schwierig war. Wie lässt sich Social Media mit Mindfulness und Achtsamkeit in Einklang bringen?

Kathi von Con-Agency: Wie bringt ihr Achtsamkeit und Social Media zusammen?

Michael von SoulMastery: Wir setzen uns da ganz feste Zeiten. Wir versuchen die Zeit, dir wir für eine bestimmte Tätigkeit einplanen, nicht zu überschreiten. Es gibt beispielsweise bestimmte Tage, bestimmte Zeiten, da machen wir Social Media und dann war‘s das aber auch.

Wir haben bestimmte Strategien entwickelt, die sich zum Teil aus dem Erlernten aus meinen alten Tätigkeiten, als auch aus unseren neuen Themen-Schwerpunkten zusammensetzen. Unter anderem haben wir diese Strategien auch durch „Trial and Error“ erarbeitet.

Wir haben uns einen sehr großen Kontaktkreis auf LinkedIn aufgebaut. Julia und ich haben zusammen über 20.000 Kontakte aufgebaut und das innerhalb von nur 1,5 Jahren. Das war wirklich harte Arbeit und viel Content-Marketing war dazu nötig. Dadurch kamen dann aber die ersten großen Aufträge von großen Konzernen, Workshop-Reihen und Einzelcoachings mit CEO`s und dann fing das alles an zu rollen. Irgendwann kamen Medien auf uns zu, wie zum Beispiel der Focus, Handelsblatt oder auch lokale Zeitungen.

Dadurch konnten wir uns in der Meditations-Ecke, welche in Deutschland noch eine sehr kleine Ecke ist, ein Standing erarbeiten.

Kathi von Con-Agency: Wie sehen eure Strategien und Ziele aus?

Michael von SoulMastery: Warum machen wir das Ganze? Die Antwort darauf hat sich über die gesamte Zeit stark gewandelt und wenn ich für heute spreche, dann sage ich dir, dass wir keine Ziele haben. Wir sind ziellos. In gewisser Weise sind wir auch planlos. Für viele Leute klingt das vielleicht wie Schwachsinn oder sie denken, dass wir jetzt völlig bescheuert geworden sind. Ich habe sehr lange in Unternehmen gearbeitet, die ausschließlich auf Plänen basiert waren und wo ohne Pläne und finanzielle Business-Pläne gar nichts ging. Wir machen das so, dass wir versuchen, soweit es geht mit dem Flow zu gehen. Das heißt, dass wir grundsätzlich schon eine Idee und ein Offering haben. Wir haben bestimmte Dinge, die uns Spaß machen und wir strahlen natürlich auch etwas aus. Wir sitzen nicht nur hier, meditieren und denken, dass der Buddha, der Gott oder das Universum Goldblüten auf uns herabregnen lassen. Das passiert natürlich nicht.. Aber: Wir senden unsere Signale raus und arbeiten mit der Resonanz.

Kathi von Con-Agency: Welche Signale sind das?

Michael von SoulMastery: Wir schreiben Artikel. Wir machen Interviews. Als es noch Veranstaltungen gab, sind wir sehr viel auf Veranstaltungen und auf Messen gegangen. Was kommt, das kommt und wir schauen dann, ob wir das machen wollen oder nicht. Wir machen nicht alles und so entwickelt sich das. Manchmal nehmen wir eine Gelegenheit wahr und manchmal lassen wir eine Gelegenheit ziehen. Wenn wir etwas ablehnen, kommen auch bei uns manchmal die Ängste und Emotionen hoch. Es sind die Spielchen des Verstandes. Die Meditation hilft uns dann dabei cool zu bleiben. Wenn ich das dann auch tatsächlich schaffe, sehe ich, dass sobald sich eine Tür geschlossen hat oder sich im Schließen befindet, sich auch wieder eine neue Tür öffnet – völlig unerwartet. Auch für mein Bewusstseins-Level ist nicht alles miteinander verbindbar. Natürlich ist alles irgendwie verbunden, aber ich sehe das nicht immer und denke mir somit manchmal auch: „Oh, wo kommt das denn auf einmal her?“ Das wirkt dann wie ein Wunder und manche Leute sage zu uns, dass wir immer Glück haben. Kennst du die Geschichte von dem Bauern mit dem Pferd aus dem Zen?

Kathi von Con-Agency: Ist es die, mit dem Sohn, der von dem Pferd fällt?

Michael von SoulMastery: Ja genau.

Die Geschichte vom Bauer ist sehr simpel und kommt in vielen Achtsamkeits-Kalendern vor. Es geht um einen Bauern aus dem antiken China. Er hatte als einziger im Dorf ein Pferd und konnte damit sein Feld bestellen und alle habe gesagt: „Hey, du hast so viel Glück. Du hast ein Pferd.“ Der Bauer hat immer gesagt: „Kann Glück sein, kann aber auch Pech sein.“

Und alle haben gesagt: „Wie kann das denn Pech sein? Du hast ein Pferd! Wir haben kein Pferd.“ Eines Tages ist das Pferd abgehauen und alle haben gesagt: „Du hast so ein Pech. Dein einziges Pferd. Es ist weg.“ Der Bauer hat daraufhin nur gesagt: „Kann Pech sein, kann Glück sein.“ Und auch da haben alle gesagt: „Wie kann das denn Glück sein?“ „Keine Ahnung“ sagte der Bauer. Eines Tages kam das Pferd zurück und hatte zwei wilde Pferde dabei. Da haben alle im Dorf gesagt: „Du hast so ein Glück. Jetzt hast du drei Pferde.“ Auch da hat der Bauer wieder das Gleiche gesagt: „Kann Glück sein, kann Pech sein.“ Eines Tages hat sein Sohn versucht die Pferde zu zähmen und ist dabei heruntergefallen. Er hat sich sein Bein schwer zertrümmert und konnte nicht mehr gehen. Alle haben gesagt: „Dein einziger Sohn, du hast so viel Pech.“ Der Bauer hat wieder das Gleiche gesagt, wie sonst auch schon. Irgendwann ist Krieg ausgebrochen. Da wurden alle jungen Männer eingezogen, außer sein Sohn, denn dieser konnte ja nicht gehen.

Die Geschichte kann man unendlich so weiterführen.

Bei uns sagen die Leute auch oft: „Ihr habt so viel Glück“ oder „ihr habt so viel Pech“. Ich antworte darauf immer, dass ich mich an die o.g. Geschichte von dem Bauern aus dem antiken China halte. Kann Glück sein, kann Pech sein. Und woher das kommt? Keine Ahnung. Habe ich etwas dafür getan? Bestimmt. Es ist ja alles Aktion und Reaktion. Es passiert nicht einfach so, aber was ich dafür getan habe, dass das so passiert, im Einzelnen, lässt sich natürlich in meinem Bewusstseinszustand nicht immer rekonstruieren.

Kathi von Con-Agency: Wie könnt ihr mit euern Fähigkeiten und Leistungen die Unternehmen, jetzt gerade auch in dieser schwierigen Zeit, unterstützen? Oder was kann man den Unternehmern oder Unternehmern jetzt mitgeben? Was kann Achtsamkeit in der aktuellen Phase für sie bedeuten? Wie kann sie das unterstützen?

Michael von SoulMastery: Wir zwei haben uns bewusst dazu entschieden keine Online-Formate pro-aktiv anzubieten. Wir haben es zuvor mehrfach in den verschiedensten Konstellationen probiert und festgestellt, dass es für das, was wir tun, wie wir es tun und wie wir arbeiten, nicht optimal ist. Im Moment führen wir vereinzelt Online-Sitzungen auf expliziten Kundenwunsch durch, aber  die Energie kommt nicht genauso rüber, wie dies Offline der Fall gewesen wäre und die Gruppe ist nicht in der gleichen Art du Weise zu erfassen Jeder der ein bisschen bei sich ist, wird nach dieser aktuellen Krise die Offline-Workshops noch mehr wertschätzen als vorher. Aber nur weil wir nicht sehr aktiv sind, heißt das nicht, dass Achtsamkeit für Unternehmen gerade aktuell, nicht wertvoller ist denn je.

Heute habe ich dazu ein sehr passendes Zitat auf einem LinkedIn-Profil gelesen. Das Zitat besagt:

„Resilienz ist jetzt wichtiger als Effizienz.“ 

Resilienz ist ein großer Teil unseres Achtsamkeits-Themenkomplexes. Meditation trainiert Resilienz-Fähigkeiten oder die Möglichkeit resilient zu sein. Aus meiner Sicht, treffen viele Firmen im Moment fast alle Entscheidungen angstbasiert. Diese Entscheidungen entstehen meiner Meinung nach immer aus einem schwachen, reaktiven Modus heraus.

Es gibt dazu ein Wortspiel: Statt Reaktion – Antwort. Auf Englisch übersetzt, würde man sagen, von react zu response. Die Antwort macht mich auch verantwortlich, ich bin responsible. Wenn ich reagiere, dann folge ich dem Problem, also nur Mustern, die bei mir programmiert und die zum Teil emotional belegt sind . Das würde jetzt zu weit gehen, da auszuholen, aber verkürzt meint es: Das Problem drückt bei mir Knöpfe und ich mache etwas. Wenn ich mehr Resilienz und Achtsamkeit/ Meditation in mein Leben integriere, dann kann ich vielleicht einen kleinen gap, einen kleinen Abstand zu diesem ganzen Schauspiel haben, und dann merken, dass ich anstatt zu reagieren, auch anders auf die Situation antworten kann. Agieren statt reagieren. Die Unternehmen, die jetzt aus Angst reagieren, die bewegen sich alle von alleine in diese Abwärtsspirale, indem unter anderem die selbsterfüllende Prophezeiung der Krise herbeigerufen wird.

Kathi von Con-Agency: Wie kann Meditation im Homeoffice helfen?

Michael von SoulMastery: Hier sind Selbstdisziplin, Self-Management und Achtsamkeitspraktiken noch wichtiger geworden. Vor der Corona-Krise hatte man beispielsweise den Cut vom Büro zum Zuhause. Da haben viele Menschen gesagt: Dies ist meine Arbeit und das ist mein Zuhause. Jetzt fehlt dieses Umschalten. Du gehst nahtlos über zum Geschirrwaschen, zu deinem Zoom-Meeting, zu deiner Kinderbetreuung und so weiter. Hier gibt es viele Achtsamkeits-Kniffs und -Techniken, die durchaus hilfreich sein können um kurz wieder zu sich zu kommen. Wo bin ich denn eigentlich gerade? Wie geht’s mir denn gerade? Fühle ich mich leicht? Fühle ich mich schwer? Bin ich gestresst? War es ein guter Tag? War es ein schlechter Tag?

Kathi von Con-Agency: Hast du da eine bestimmte Technik, die du gerne den Leuten im Home-Office mitgeben möchtest? Beispielsweise eine Lieblings-Technik, die du auch immer anwendest? 

Michael von SoulMastery: Gerne. Komischerweise habe ich auch schon vor der Krise einige Vorträge gehalten, wo ich über genau diese Technik bzw. diesen Tipp gesprochen habe. Und zwar lautet der Tipp: „use the neutral gear“

Bei den per Hand zu schaltenden Autos gibt’s den Leerlauf, also auf Englisch, neutral gear.  Wenn wir unser Auto fahren, schalten wir die Gänge meistens so durch, also 1 – 2 – 3 – 4 …

Die wenigsten lassen das Auto im Leerlauf einfach rollen oder stehen. Bei uns Menschen ist das ähnlich, der nächste Gang ist immer schon eingelegt – bereit loszufahren. Schauen wir uns jetzt beispielsweise meinen heutigen Alltag an, also das Online-Meeting: Wenn das fertig ist, dann muss ich zum Beispiel auf die Toilette gehen, danach muss ich mir etwas zu Essen machen, danach muss ich zu einem anderen Termin und so weiter. Ich würde die Aktivitäten aneinander ketten, wie bei einem Auto die verschiedenen Gänge durchschalten. Mal hoch-, mal runterschalten, mal kommt eine Ampel.

Dazwischen den Leerlauf zu nutzten geht wie folgt: Wenn das Meeting beendet ist und ich vorhabe zum Beispiel auf Toilette zu gehen, dann würde ich, bevor ich den Stuhl zurückschiebe und vom Tisch aufsehe, einfach nur kurz innehalten. Ich würde meine Aufmerksamkeit nach innen richten. Eine Sekunde oder wenn es geht, fünf Sekunden. Wie geht es mir? War ich gerade angespannt? Wie geht’s meinen Schultern? Wie geht’s meinem Bauch? Wie geht’s meinem Kiefer? Diese fünf Sekunden kann jeder so für sich nutzten, wie er es braucht und z.B. die (An)Spannung im Körper zu beobachten.

Dieser neutral gear ist ein Tipp, den ich aktuell für sehr wertvoll erachte. Insbesondere im Home-Office ist es ansonsten sehr verlockend die Aufgaben aneinander zu reihen oder sogar zu parallelisieren. 

Kathi von Con-Agency: Das hört sich so an, als seist du auch kein Freund vom Multi-Tasking Thema?!

Michael von SoulMastery: Nein, das bin ich wirklich nicht. Ich habe das natürlich jahrelang selbst praktiziert in meinen diversen Rollen, weil ich das vor allem bei der Arbeit auch „musste“. Ich kam mir dabei furchtbar effizient und produktiv vor. Wenn ich das nun mit meinem aktuellen Tagesablauf vergleiche, stelle ich fest: Wo ich früher zehn oder 12 Stunden am Tag gearbeitet habe, so arbeite ich heute nicht mehr als vier oder fünf Stunden und kriege mehr erledigt als früher in den zehn Stunden. Das passiert, weil ich einfach fokussierter bin und mich durch den Einsatz der Bewusstheit nicht von der gerade anliegenden Tätigkeit/Aufgabe ablenken lasse.

Kathi von Con-Agency: Wie nutzt du deine Erkenntnisse aus der Meditation im direkten Gespräch?

Michael von SoulMastery: Wenn ich mit dir spreche, bin ich gleichzeitig bei dir, aber auch bei mir und zwar konstant.

Das hört sich leicht an, ist aber je nach Bewusstheitslevel eine knifflige Angelegenheit und ich musste lange hierfür in der Meditation „trainieren. “

Kathi von Con-Agency:  Wie wichtig ist das Thema „Flow“ bei eurer Arbeit?

Michael von SoulMastery: Das ist ganz wichtig! Ich hole etwas aus, weil ich finde, dass das wirklich ein wichtiges Thema ist und dass es sehr viele Aspekte von der ganzen Achtsamkeits-Debatte zeigt. Zum einen versuche ich mich zu beobachten, wenn ich in den Flow komme. Da ich schon eine ganze Weile meditiere und eine gewisse Grundbeoachtungshaltung habe, versuche ich währenddessen oder nach dem Flow zu verstehen, was genau mir so viel Spaß an der Aktivität bereitet und mich in den Flow versetzt hat.

Finde einfach den einen oder die paar Skills, die dir Spaß machen, dann kommst du automatisch in den Flow. Unter diesen Aspekten entscheiden wir auch, ob wir Angebote annehmen oder ablehnen. Es hängt also stark davon ab, ob ich zum Beispiel das Gefühl habe, dass ich bei dem Angebot in den Flow kommen würde oder nicht. So wählen wir unsere Kunden, unsere Aufträge, unseren Tag. Ich versuche den Tag nicht zu planen. Klar gibt’s manchmal Termine, aber ich versuche bewusst sehr viel Raum im Kalender zu halten, der frei bleibt. In diesen leeren Räumen passiert Magie, da passieren Begegnungen, da passieren unerwarteten Ereignisse, da passieren Kreativitätsschübe und Kunstwerke. Das passiert nicht im geplanten Slot.

Kathi von Con-Agency: Wir beide praktizieren ja schon länger Meditation und Achtsamkeit im Alltag. ich merke aber immer wieder, dass gerade Gründer oder angehende Gründer, massive Probleme damit haben. Hast du einen Tipp, wie ein angehender Gründer oder jemand der gerade selbständig ist, diese Freiräume schafft ohne sie auch direkt wieder zu verplanen?

Michael von SoulMastery: Was ich jedem nur raten kann, ist das Tool „Meditation“ zu probieren. Es ist ganz klar nicht für Jedermann. Es gibt viele Pfade und Möglichkeiten, dich selber zu reflektieren, wie zum Beispiel: Yoga, Qi-Gong, Thai Chi, Kung-Fu wenn man den richtigen Fokus in der Praxis legt oder auch Tantra. Viele Wege führen nach Rom. Meditation ist meiner Meinung nach aber ein sehr wirkungsvolles Tool. Es funktioniert aus meiner persönlichen Sicht einfach beeindruckend. Das Problem ist, es braucht eine gewisse Konstanz. Was schon ganz viele Studien seit ungefähr 40 oder 50 Jahren belegen ist, dass Meditation unsere Gehirnaktivität und sogar die Gehirnstruktur dauerhaft verändert.

Kathi von Con-Agency: Welche Veränderungen sind das zum Beispiel?

Michael von SoulMastery: Also zum Beispiel unser Angstzentrum, die Amygdala. Dieser Teil unseres Gehirns schrumpft nach nur acht Wochen (à 30 Minuten tägliche) Meditation schon signifikant. Das wurde in einer Studie empirisch nachgewiesen. Wie es funktioniert, kann man sich einfach beschrieben, so vorstellen: Ich spiele Basketball und muss meinen Ball vielleicht 100 Mal werfen, bevor ich feststelle, dass es besser wird. In meinem Gehirn ist eine neue Verbindung entstanden, die sagt, dass ich die Hand so halten soll oder so werfen soll und wie es sich anfühlt den Ball zu werfen. Die Verbindung wird von Zeit zu Zeit immer dicker und stabiler, je mehr ich sie nutze – bzw. den neuronalen Pfad befeure.

Die Mediation re-wired unser Gehirn. Die Art und Weise wie unser Gehirn verändert wird, wird von uns allgemein als positiv betrachtet. Diese Veränderung tritt langsam nach und nach ein. Wenn ich zum Beispiel fünf Minuten morgens nach dem Aufstehen meditiere (egal welche Technik), dann kann ich schon nach 21 Tagen deutliche Unterschiede merken, weil dies die besagten neuronalen Verbindungen neu formiert und dann immer wieder bespielt. Irgendwann fangen sie an, wie ein Automat zu laufen oder so wie ein Basketballwurf. Jetzt muss ich nicht mehr drüber nachdenken, wie ein Basketball geworfen wird, denn ich habe schon 20 Jahre lang trainiert. Genau so ist das mit der Mediation. Wenn ich lerne mich selber zu beobachten, jeden Tag fünf Minuten, vielleicht zehn oder später 15, dann habe ich bei späteren Situationen oder Problemen, genau diesen Automatismus schon drin. Ich kann mich dann einfach beobachten und mit etwas Abstand mein Ego reflektieren.

Und das ist oft das Problem als Gründer. Es werden die wertvollen fünf Minuten in die Meditation investiert und bei der nächsten Stresssituation wird alles so gemacht wie vorher. Da kommt schnell der Gedanke auf, dass das alles nichts bringt. Warum soll ich das weiter machen? Am Anfang braucht es Resilienz und man muss einfach dranbleiben und diszipliniert sein, um diese benefits zu spüren. Deswegen meditieren auch alle CEOs von allen großen Konzernen seit vielen Jahren. Welche Technik sie benutzen ist völlig sekundär. Die Meditation ist in Amerika in Chefetagen ganz normal. In Deutschland ist das ein Novum. Wir arbeiten zurzeit noch mit Pionieren im HR- und Leadershipbereich zusammen.

 

Kathi von Con-Agency: Wie schafft ihr das, die Lücke zu schließen zwischen Achtsamkeits-Thema, welches jetzt gerade im Privatleben immer mehr in der Gesellschaft ankommt, und der gerade noch sehr starren und eingerosteten Wirtschaftswelt. Wie schafft ihr es, diesen Gap zu schließen?

Michael von SoulMastery: Es funktioniert aus meiner Erfahrung so:

Wir missionieren nicht. Das bedeutet, dass wir zwar über das Thema Achtsamkeit erzählen, wenn jemand danach fragt oder wenn jemand möchte, dass wir darüber beispielsweise einen Vortrag halten. Wir erzählen dann viel Gutes und wir erzählen sehr begeistert über dieses Thema, da wir selber davon auch sehr begeistert sind. Wir gehen allerdings nicht zu jedem hin und insbesondere nicht in unseren Freundeskreis und „befehlen“, dass jetzt jeder meditieren muss. Wir möchten mit dem Thema Achtsamkeit und Meditation nicht aufdringlich sein.

Am Anfang meiner eigenen inneren Reise habe ich das so gemacht. Die Phase ist allerdings für mich vorbei. Ich inspiriere mit meinem Beispiel. Ich publiziere Content, gehe auf Veranstaltungen und ziehe dadurch die Leute wiederum an. Im Grunde genommen machen wir es wie ein Angler: Wir hängen den Köder aus. Der Köder ist vielleicht gar nicht so schlecht. Manche Fische, die den Köder mögen, beißen an. Auf diesem Weg finden Unternehmen und Individuen zu uns, die schon offen sind und sich für das Thema interessieren. Viele haben auch schon Vorerfahrungen. Was wir in der Regel suchen als Kunden, sind Sucher. Das sind meistens die Menschen, die in dieser materiellen Welt schon recht erfolgreich sind. Es hat sich gezeigt, dass die materiellen Reize und die Konsumreize, so lange reizend sind, bis man sie zu einem gewissen Grad erlebt hat. Für jeden gibt es ein gewisses Maß, wann es genug ist, und zwar dann, wenn man merkt, dass das nächste größere Auto nicht die nächste größere Stufe des Erlebens bringt. Diese Art von Menschen finden wir häufig in Chefetagen oder wohlhabenden Kreisen und das sind häufig die Kunden, die zu uns finden.

Zu uns finden auch immer wieder Abteilungen, Führungskräfte und kleine Teams, die schon selber meditieren, das Thema schon für sich entdeckt haben und nun den nächsten Schritt gehen möchten. Wie kann ich die Praxis vertiefen? Welche Techniken gibt es? Was mache ich vielleicht falsch, wenn ich das Gefühl habe, dass ich die Meditation nicht richtig mache?

Ich bin kein Coach. Wir sehen uns als Meditationsbegleiter. Ich kann Techniken oder Erfahrungen anbieten oder einfach ein Gespräch führen, dass durch Selbstreflexion zu dem Ergebnis kommt, was die Person vielleicht selbst schon weiß.

Kathi von Con-Agency: Gibt es noch einen letzten Satz, den du gerne den Besucher von meinen Social-Media-Kanälen mitgeben möchtest?

Michael von SoulMastery: Ja das habe ich. Es ist immer der gleiche Satz, aber ich bin ein großer Fan:

observation ist alchemical  – also: Beobachtung ist alchemisch.

Das kommt von Osho. Wir sind Osho-zertifizierte Meditations-Begleiter und auch meditative Therapie-Begleiter. Wir haben die Techniken von Osho in Summe alle sehr oft gemacht. Mit diesem Satz wird etwas sehr Wichtiges gesagt. Es braucht aber vielleicht etwas Erläuterung:

Bei der alchemischen Lehre und der Mystik über die Alchemie, ging es darum Blei zu Gold zu machen. Blei bin ich in meinem „Ausgangszustand“ der Unbewusstheit, und aus Blei kann Gold werden – ein vollständig erleuchtetes Bewusstsein. Es geht im Grunde genommen um den Pfad der Selbstentwicklung. Dieser basiert für mich auf Beobachtung. Wenn ich lerne, meinen Geist und mich selbst fortwährend zu beobachten und ehrlich zu mir selbst zu sein, dann wird Blei zu Gold. Mediation ist für mich nur die Kraft dazu, das Beobachten zu erlernen und zwar in allen Situationen. Diese Beobachtung alleine verändert alles. Die Menschen haben oft das Gefühl, sie müssen etwas machen um etwas zu verändern, aber eigentlich muss ich einfach nur beobachten. Im Zen heißt es oft „the effortless effort“.

Wenn ich mich selbst beobachte, wird Blei zu Gold. Diese Erfahrung habe ich an mir schon gemacht und mache sie noch fortwährend. Auch mein eigener Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

Kathi von Con-Agency: Insbesondere für die offenen Einblicke, nicht nur in die Unternehmensphilosophie, sondern vor allem auch in die private Entwicklung und den persönlichen Lebensweg, den ihr bisher bestritten habt und auch noch weiter bestreiten werdet, möchte ich mich von Herzen bedanken.

Ihr seid neugierig geworden und wollt noch mehr über SoulMastery erfahren?

Stöbert gerne auf ihrer Website oder folgt den beiden auf ihren Social Media Kanälen:

 

Website:      www.soulmastery.de

Instagram:  @soul.mastery

Facebook:   https://www.facebook.com/soulmastery.de/

 

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